Die Geschichte der Salzburger Liedertafel

Salzburger Liedertafel 1897
Salzburger Liedertafel 1897

Die Salzburger Liedertafel wurde im Jahre 1847 gegründet.

 

Ab 1844 hatten sich sangesfreudige Männer in der „Gesellschaft von Musikfreunden in Salzburg“ zusammengefunden. Man trat wiederholt öffentlich auf, so beim Deutschen Sängerfest 1845 und 1847, aber noch fehlte die offizielle Genehmigung zur Gründung eines Gesangsvereins.

 

Als der Domkapellmeister und Mozarteumsdirektor Alois Taux von einer seiner Auslandsreisen nach Salzburg zurückkehrte, gaben die Salzburger Sänger ihm zu Ehren einen Singabend, um ihm ihr Können zu zeigen. Unter dem Eindruck dieser gezeigten Leistungen gründete Alois Taux nach dem Vorbild verschiedener Gesangsvereine in Österreich und Deutschland auch in Salzburg eine Liedertafel.

 

Am Cäcilientag, dem 22. November 1847, beschlossen die Sänger die Gründung der Salzburger Liedertafel, und Alois Taux wurde zum künstlerischen Leiter und ersten Vorstand des neuen Vereins gewählt. Erst am 17. März 1848 wurde von Kaiser Ferdinand die Genehmigung erteilt. Am 23. August 1848 fand in der Residenz das erste öffentliche Konzert der neuen Salzburger Liedertafel statt.

 

Im September 1848 wurde die erste Fahne in den Farben Schwarz, Gold, Rot gespendet. Die Enthüllung dieser Fahne erfolgte am 20. Mai 1849 vor dem Mozart-Denkmal. Das Fest mit über 5000 Zuhörern war so erfolgreich dass es in der Folge zu Gründungen von Liedertafeln in Hallein, Reichenhall, Laufen, Traunstein und Steyr kam.

 

1852 kam der erste Band der Liedtext-Sammlung der Salzburger Liedertafel mit 93 Texten heraus, 1858 bereits der zweite Band mit weiteren 56 Liedtexten.

 

Schon bald nahm die neue Salzburger Liedertafel an vielen Veranstaltungen im In- und Ausland teil. So gab es musikalische Mitwirkungen bei den Grundsteinlegungen des Künstlerhauses, des Stadttheaters, der evangelischen Kirche und der Andräkirche. Auch bei den Inbetriebnahmen der Fürstenbrunner Wasserleitung, der Giselabahn nach Schwarzach und der Gaisbergbahn nahm die Salzburger Liedertafel musikalischen Anteil. Besonders gerne aber bediente man sich der Sänger bei Besuchen höchster Persönlichkeiten wie Kaisern, Königen oder Erzherzogen. So komponierte Alois Taux einen Festchor zum Empfang von Elisabeth, der Braut Kaiser Franz Josephs, in Salzburg.

 

Die Finanzierung des Probenbetriebes und eines großen jährlichen Konzerts (Orchester, Solisten, Gastchöre, Dirigenten, Saal, Plakate, etc.) war schon vor mehr als 100 Jahren ein Problem. Damals wurde eine geniale Idee geboren – man erfand den Liedertafelball. 1859 kam es zur ersten Faschingsveranstaltung der Salzburger Liedertafel, ab 1861 als Maskenball, der bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts die tanzfreudige Bevölkerung Salzburgs zusammenrief.

 

1872 beging die Salzburger Liedertafel ihr 25. Gründungsfest mit einem dreistündigen Festkonzert mit Werken von Beethoven, Mozart und Bruch. Von der Stadtgemeinde Salzburg wurde ein wertvoller Ehrenbecher überreicht.

 

1887 wurde zum 40. Jubiläum „Das Lied von der Glocke“ von Max Bruch zum ersten Mal in Salzburg aufgeführt. In den 40 Jahren des Bestehens der Salzburger Liedertafel konnten bereits 10.000 Gulden zu wohltätigen Zwecken gespendet werden. Zu diesem Jubiläum erhielt die Salzburger Liedertafel „in Anerkennung ihrer künstlerischen, humanitären und patriotischen Wirksamkeit“ die „Viribus unitis“-Goldmedaille Kaiser Franz Josephs I.

 

Von 1892 an lag die künstlerische Entwicklung der Salzburger Liedertafel für 30 Jahre in den Händen des Komponisten und Mozarteumsdirektors Josef Friedrich Hummel. Unter Hummels Leitung sang die Salzburger Liedertafel bald bei den durch Mitglieder der Salzburger Liedertafel organisierten „Musikfesten“ in Salzburg, den Vorläufern der Salzburger Festspiele.

Prof. Ernst Sompek, Komponist der Salzburger Landeshymne
Prof. Ernst Sompek, Komponist der Salzburger Landeshymne

 

Land unsrer Väter, lass' jubelnd dich grüßen,

Garten behütet von ew'gem Schnee,

dunkelnden Wäldern träumend zu Füßen

friedliche Dörfer am sonnigen See.

Ob an der Esse die Hämmer sich regen

oder am Pfluge die nervige Hand,

Land unsrer Väter, dir jauchzt es entgegen:

Salzburg, o Salzburg, du Heimatland!


 

 

 

 


Prof. Ernst Sompek, der Komponist der Salzburger Landeshymne, führte danach die Salzburger Liedertafel 25 Jahre lang. Viele Konzerte im In- und Ausland fanden in diesem Zeitraum statt. Mozarts „Titus“ zu Gunsten der Salzburger Kriegsgefangenen, ein Konzert zum 100. Geburtstag des Dichters Arndt, Beethovens IX. Symphonie oder Bruckners „Te Deum“ sowie eine Richard-Wagner-Gedenkfeier im Stadttheater seien hier erwähnt. Meist fanden die Konzerte gemeinsam mit dem Damensingverein Hummel und dem Deutschen Schulvereinsorchester Salzburg statt.

 

Durch den Bau des „Mozarthauses“, bald wie heute „Mozarteum“ genannt, gelang es der Salzburger Liedertafel, sich den lang gehegten Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim zu erfüllen. Der Bau wurde durch die tatkräftige geistige und vor allem materielle Unterstützung vieler Liedertafler möglich. Am 15. November 1913 konnte die Salzburger Liedertafel endlich in das neue Vereinsheim einziehen, in dem nach wie vor die Proben stattfinden.

 

1922, beim 75. Gründungsfest, stellte die Salzburger Liedertafel mit einer glanzvollen Aufführung der c-Moll-Messe von Wolfgang Amadeus Mozart unter Beweis, dass sie auch nach dem Kriege wieder an ihre alten Leistungen anknüpfen konnte. Während der von Liedertaflern mitinspirierten Salzburger Festspiele wirkte die Salzburger Liedertafel auch an den Aufführungen von „Das Salzburger große Welttheater“ von Hugo von Hofmannsthal mit.

Am 6. November 1926 setzte die Salzburger Liedertafel mit allerhöchster Genehmigung dem Komponisten und Schöpfer des vierstimmigen Männergesanges, Michael Haydn, durch die Stiftung der „Michael-Haydn-Medaille“ ein gebührendes Denkmal.

 

1939 kam es zum Zusammenschluss der Salzburger Liedertafel mit dem Salzburger Männergesangsverein, der neben seinen Sängern auch sein Badeheim am Wallersee in die Salzburger Liedertafel einbrachte. Dieses erfreut sich noch heute großer Beliebtheit.

Während des zweiten Weltkriegs musste der Betrieb eingestellt werden, da mehr als zwei Drittel der Männer einberufen waren. Das Vereinsheim wurde von der Luftschutzpolizei beschlagnahmt und als Wachzimmer und Schlafraum genutzt.

„Die Schöpfung“ 1942
„Die Schöpfung“ 1942

Kaum war der Krieg zu Ende, begannen beherzte Männer die Salzburger Liedertafel wieder aufzubauen. Es gelang KR Schliesselberger, das Archiv der Salzburger Liedertafel vor der Plünderung durch die Besatzungsmächte zu retten, indem er die wertvollsten Teile unserer Sammlungen im letzten Moment aus dem Archiv entnahm und sie unter der Lohe seiner Lederfabrik versteckte.

 

Schon am 30. Oktober 1946 begann wieder der Chorbetrieb und am 8. März 1948 fand der Zusammenschluss der Salzburger Liedertafel mit dem Damensingverein Hummel und der Salzburger Chorvereinigung zu einem gemeinsamen Chor statt. Damit hatte das Singen der Salzburger Liedertafel als Männerchor sein Ende gefunden.

 

1947 konnte die Salzburger Liedertafel ihr 100jähriges Gründungsjubiläum feiern. Unter Hermann Schmeidel wurde der „Messias“ von Händel aufgeführt. Mit dieser Aufführung setzte die Salzburger Liedertafel die Tradition fort, sich der großen Chorliteratur zu widmen.

Bereits zu Ostern 1948 folgte eine Aufführung der „Johannes-Passion“ von J.S. Bach. Weiters wurde im November 1948 die „Kantate von deutscher Seele“ von Pfitzner im Beisein des greisen Komponisten aufgeführt.

 

Eine besonders erfolgreiche Zeit in der Geschichte der Salzburger Liedertafel begann.

 

Die Salzburger Liedertafel wurde eingeladen, bei der „Sagra Musicale dell'Umbria“ in Perugia, den „Messias“ zum ersten Male in Italien zu Gehör zu bringen. Unter dem - international verständlicheren - Namen „Mozarteumchor Salzburg“ sangen 60 Mitglieder der Salzburger Liedertafel und 20 Studenten des Mozarteums. Dieses Konzert, das vom Mozarteum-Orchester begleitet wurde, war die erste Aufführung eines österreichischen Ensembles im Ausland nach dem Krieg. Es folgte das Eröffnungskonzert im „Teatro Nuovo“ in Mailand im Dezember 1948 mit Werken von Mozart und Pfitzner, zu Ostern 1949 mit der „Johannes-Passion“ von Johann Sebastian Bach, sowie Händels „Messias“ im „Teatro San Carlo“ in Neapel.

Zu dieser Zeit gab es auch einen Volksliedchor der Salzburger Liedertafel sowie ein eigenes Konzert- bzw. Salonorchester.

 

1952 erhielt die Salzburger Liedertafel als erster österreichischer Verein die höchste zu vergebende Auszeichnung, die „Walther von der Vogelweide-Medaille für Kunst und Kultur in Silber“ des Österreichischen Sängerbundes.

 

1954 ersang die Salzburger Liedertafel beim 2. Österreichischen Sängerbundesfest in Klagenfurt mit der „Festmesse in G“ von Joseph Messner den ersten Preis.

Am 20. November 1956 übernahm der Rektor der Hochschule Mozarteum Franz Richter Herf den Chor. Am 2. April 1971 konnte die Salzburger Liedertafel die Uraufführung seiner ekmelischen Komposition „Aus einer Sturmnacht“ mit großem Erfolg bestreiten. Auch Charpentiers „Te Deum“ und Rossinis „Stabat Mater“ wurden unter seiner Leitung erstmals in Salzburg aufgeführt.

 

1972 feierte die Salzburger Liedertafel ihr 125-jähriges Gründungsfest. Neben dem Jubiläumskonzert gab eine repräsentative Ausstellung im „Romanischen Keller“ in Salzburg Aufschluss über die Zeit des künstlerischen Wirkens dieses Chores.

 

Ab 1975 widmete sich Franz Richter Herf voll und ganz seinen Kompositionen und übergab die musikalische Leitung der Salzburger Liedertafel an Prof. Kurt Prestel, der kurz zuvor aus München an die Hochschule Mozarteum berufen worden war. Unvergesslich sind seine Aufführungen mit der Salzburger Liedertafel von Carl Orffs „Carmina Burana“, Josephs Haydns „Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“, Giuseppe Verdis „Requiem“ oder dem „Elias“ von Mendelssohn. Mitten in seiner besten Schaffenskraft verstarb Prof. Kurt Prestel am 13. September 1988.

 

Nachdem 1986 das Mozarteum aufwändig renoviert worden war, war kein Platz mehr für die übermütigen Maskenbälle der Salzburger Liedertafel. Somit hatte die Salzburger Liedertafel ihre wichtigste Einnahmequelle verloren. Die damalige Obfrau hatte die Idee einen Flohmarkt zu veranstalten, der mittlerweile als Fixpunkt im Spätherbst ein ganz wichtiges finanzielles Standbein des Chores geworden ist.

 

1989 wurde Jànos Czifra zum Künstlerischen Leiter der Salzburger Liedertafel ernannt. Diese Funktion hatte er bis 2004 inne und wurde von der Salzburger Liedertafel aufgrund seiner Leistungen mit dem Titel „Ehrenchormeister“ ausgezeichnet.

 

1992 kam es im Rahmen der Städtepartnerschaft „Salzburg und Dresden“ zum ersten gemeinsamen Konzert mit der „Singakademie Dresden“ mit Brahms’ „Ein Deutsches Requiem“, welches mit großem Erfolg in der „Lukas-Kirche“ in Dresden wiederholt wurde. Eine gemeinsame Konzertreise nach Ungarn mit Aufführungen von Haydns „Schöpfung“ in Budapest, Miskolc und Eger vertiefte die Freundschaft zwischen den beiden Chören, aus der seither weitere gemeinsame Aufführungen in Salzburg und Dresden entstanden sind, unter anderem auch von Orffs „Carmina Burana“.

 

1993 wurde der derzeitige Künstlerische Leiter, Mag. Arūnas Pečiulis, zum 2. Chorleiter bestellt.

 

Das Jubiläum „150 Jahre Salzburger Liedertafel“ wurde 1997 mit der Aufführung des „Paulus“ von Mendelssohn, einer Ausstellung und einem Festabend mit den Chören Salzburgs gefeiert.

 

2003 nahm die Salzburger Liedertafel als einer von vielen Chören aus dem Bundesland Salzburg an der Uraufführung des Werkes „Logos“ von Wolfgang Wagner im Rahmen des Salzburger Landeschorfestes teil. Außerdem fand eine Aufführung der „Carmina Burana“ von Carl Orff gemeinsam mit der Singakademie Dresden auf der Freilichtbühne in Rathen sowie dem Zwinger in Dresden statt.

 

2004 übernahm Mag. Arūnas Pečiulis das Amt des Künstlerischen Leiters der Salzburger Liedertafel. Im selben Jahr fand die Aufführung der „Schöpfung“ von Joseph Haydn gemeinsam mit dem Salzburger Domchor und dem Nordungarischen Symphonieorchester unter János Czifra im Salzburger Dom statt.

 

2005 fand ein Passionskonzert mit Motetten von Juozas Naujalis, Chorälen von J.S. Bach sowie Orgelwerken von M.K. Čiurlionis und Johann Sebastian Bach mit Vilimas Norkūnas (Orgel), unter Arūnas Pečiulis und Vilimas Norkūnas in der Salzburger Andräkirche statt.

 

2006 wirkte die Salzburger Liedertafel beim Bezirks-Chorfest des Salzburger Chorverbandes mit.

 

Beim 160-Jahr-Jubiläum der Salzburger Liedertafel im Jahr 2007 wurde „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms mit litauischen Solisten und Mitgliedern der Jungen Philharmonie Salzburg (Dirigent: Arūnas Pečiulis) erfolgreich aufgeführt. Mit Partnerchören aus Italien und Litauen wurde weiters das Konzert „Salzburg, Brücke zwischen Ostsee und Adria“ dargeboten.

 

2008 fand die Konzertreise nach Italien und das Förderkonzert „Von hell- bis dunkelgrün“ - Sommerkonzert gemeinsam mit dem Chor der 2. Klasse des Musik-RG Akademiestraße (Chorleiter: Johannes Rubenz) im Wiener Saal des Mozarteum statt, am Klavier Darina Naneva.

 

Im Jahr 2009 erfolgte die Salzburger Erstaufführung des „Requiem in c-Moll“ von Antonio Salieri in der Franziskanerkirche.

 

2011 wurden in Dresden und Salzburg anlässlich des Jubiläums „20 Jahre Städtepartnerschaft Salzburg - Dresden“ die Requien von Antonio Salieri und W. A. Mozart/F. X. Süßmayr gemeinsam mit dem Partnerchor der Singakademie Dresden aufgeführt.

 

2012 orientierte sich die Salzburger Liedertafel neu und baute zusätzlich einen Kammerchor auf.

 

2013 fand die Konzertpremiere des Kammerchores in der Stadtpfarrkirche Mülln statt. Unter der Leitung von Arūnas Pečiulis wurden die Passionsmotetten von Juozas Naujalis und „O sacrum convivium“ von Konradas Kaveckas aufgeführt.

 

2014 wurde gemeinsam mit der Singakademie Dresden und weiteren namhaften deutschen Konzertchören die „Messe in As-Dur“ (Franz Schubert), „Psalmus Hungaricus“ (Z. Kodaly) u.a. in der Kreuzkirche Dresden und im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele auf der Brühlschen Terrasse in Dresden aufgeführt.

 

2015 fand „VOX BALTICA“ ein Gemeinschaftskonzert des Kammerchores mit dem Litauischen Staatschor „Polifonija“ statt. Aufgeführt wurden Werke von litauischen und deutschen Komponisten. Dirigenten: Arūnas Pečiulis und Tomas Ambrozaitis.

TERMINE

          

Jeden Dienstag

19.30 Uhr: Probe „Weitersingen!“ 

Jeden Mittwoch

19.30 Uhr: Probe Kammerchor  

 

So., 02.07.2017

18.15 Uhr: Messgestaltung in der St. Johanns Kirche mit „Weitersingen!“

Hier findest du uns:


 Saal der Salzburger Liedertafel
Schwarzstraße 26 

Eingang durch die Gittertür zwischen Großem Saal und
IS Mozarteum

Singen. Anspruch. Spaß.

Nähere Infos hier

Originalnoten Salzburger Landeshymne
Originalnoten Salzburger Landeshymne

Unsere Bankverbindung:
AT64 4501 0000 0510 1944